Herzkern Uster

Was ist „Herzkern Uster“?
„Herzkern Uster“ ist ein Projekt des Wirtschaftsforum Uster (WFU), das vor einigen Jahren in Form einer Studie mit dem Namen „ein attraktives Zentrum für Uster“ veröffentlicht wurde. In dieser wird dann auch klar, was „Herzkern“ wirklich ist bzw. will. Es geht um eine wirtschaftliche Aufwertung und die Förderung des Standortwettbewerbs zwischen den einzelnen Städten. Konkret fordert das Projekt folgendes:

  • Stärkung des innerstädtischen Detailhandels, des Gewerbes und der Grundeigentümerschaft
  • Umwandlung des Stadtzentrums in ein „Freiluft-Shoppingcenter“
  • Anlocken von Grossunternehmen und Grossverdiener_innen
  • Unrentable Bauten sollen Rentablem weichen, alles was keinen Profit abwirft ist unerwünscht

Wieso wir uns gegen das Projekt „Herzkern“ stellen:
Sie denken die oben genannten Punkte sind doch eigentlich ganz gut? Sind sie auch. Zumindest für Reiche und Grossunternehmen. Diese würden durch tiefe Steuersätze angelockt werden und könnten hier ihren Profit vermehren. Auf der Strecke bleiben würden hingegen Normalverdienende und ärmere Personen. Denn genau auf Kosten von Diesen würde der Umbau zum „Freiluft-Shoppingcenter“ durchgeführt.
Die zunehmende wirtschaftliche Attraktivität würde zweifelsohne zu Mieterhöhungen führen. Bereits in den letzten Jahren sind die Mieten in Uster gestiegen, eine weitere Erhöhung könnten sich viele Leute nicht mehr leisten. Die Verdrängung von Einkommensschwachen Personen wäre die Folge, ein Phänomen, das man bereits in vielen „wirtschaftlich aufgewerteten“ Städten beobachten kann.
Durch den Profitwahn des WFUs würden zudem konsumfreie Räume immer weniger Platz finden. Gerade junge Leute würde dies enorm treffen. So ist in der Studie des WFU zwar ein Ausbau des Ausgangs-Angebots vorgesehen, doch dieses besteht nur aus teuren Diskotheken, Kinos etc. Öffentliche Plätze ohne Konsumzwang würden einer profitablen Nutzung unterworfen werden, wer sich diesem Konsumzwang nicht beugen will oder kann, wird durch zunehmende Repression vertrieben. So fordert das WFU sogar den Einsatz privater Sicherheitskräfte, um „unerwünschte Personen“ fernzuhalten.
Diese Folgen des „Herzkern“-Projekts gilt es besonders zu erwähnen:

  • Steigende Mieten und Verdrängung von einkommensschwachen Personen
  • Öffentliche Plätze und konsumfreie Räume werden zunehmend einer profitablen Nutzung unterworfen
  • Zunehmende Repression und Überwachung: Wer nicht in das Stadtbild des WFU passt wird vertrieben
  • Zunehmender Verkehr durch grösseres Konsum-Angebot – Schädigung der Umwelt und der Lebensqualität

Was bisher geschah:
Im Mai 2014 bewilligte der Stadtrat Initialkosten von 60’000 CHF, sowie eine jährliche Unterstützung von 108’000 CHF für das Projekt. Der Gemeinderat strich diese Beiträge im Dezember des gleichen Jahres aber wieder aus dem Budget. Unter anderem, weil nicht einmal der Gemeinderat Zugang zu allen Dokumenten des Projekts bekam.
Das WFU reagierte empört, entschied sich aber weiterhin an dem Projekt festzuhalten. 2015 schlossen sich daher Vertreter_innen des WFU, des Gewerbeverbands und Vertreter_innen aus Politik und Kultur zur Gruppe „Herzkern“ zusammen. Diese Gruppe übergab 2016 dem Stadrat einen Businessplan, was diesen dazu bewegte einen zweiten Versuch zu starten. Der Stadrat stellte dem Gemeinderat im Oktober 2016 den Antrag, das Projekt „Herzkern“ wieder aufzunehmen und vorerst während drei Jahren mit 400’000 CHF zu unterstützen.
„Herzkern“ habe sich laut dem Stadtrat verbessert und ginge nun mehr auf das Wohl der Bevölkerung ein. Beim genauen Hinsehen wird aber schnell klar, dass es sich um dasselbe Projekt in einem etwas hübscheren Mantel handelt. Weiterhin soll ein derart wichtiges Thema an einen kleinen Verein ausgelagert werden, der zur Mehrheit aus Interessensvertreter_innen der Wirtschaft besteht. Die Mitbestimmungsmöglichkeit der Bevölkerung scheint weiterhin nicht vorhanden zu sein. Der Businessplan der „Herzkern“-Gruppe ist zudem nicht öffentlich zugänglich.
Im Januar 2017 wird der Gemeinderat den Antrag des Stadtrats behandeln. Unabhängig vom Ergebnis der Abstimmung, werden wir uns auch in Zukunft gegen „Herzkern“ und ähnliche Stadtentwicklungsprojekte stellen.

Was fordert die JUSO?
Stadtentwicklung muss dem Wohl der ganzen Bevölkerung dienen und nicht nur einigen Wenigen Profit einbringen. Wir fordern daher die Einstellung des „Herzkern“-Projektes.
Städte sind ein Ort zum Wohnen. Wettbewerb und Profit haben hier nichts zu suchen! Der Standortwettbewerb zwischen den Städten führt zu katastrophalen Folgen für viele Bewohner_innen.
Wir fordern daher weiter:

  • Mehr günstiger Wohnraum und Förderung des genossenschaftlichen Baus
  • Mehr Freiräume und konsumfreie, öffentliche Plätze
  • Keine Repression und Überwachung, kein Einsatz privater Sicherheitskräfte
  • Kollektivierung des Bodens, damit wir demokratisch entscheiden können, wie dieser genutzt wird

 

Weitere Infos:
Sie sind an dem Thema interessiert und würden sich gerne weiter informieren? Nachfolgend einige Dokumente und Artikel zum Thema. Besonders der erste Link dürfte interessant sein, wenn man wissen will, ob das Projekt auch einem persönlich betreffen könnte. Ab Seite 41 gibt es eine detaillierte Übersicht, für welche Gebäude „Handlungsbedarf“ besteht.